

Die Ausstellungsreihe AEP Formate wurde im Frühjahr 2009 ins Leben gerufen und hat mit ihrer Auftaktveranstaltungen „HAP Grieshaber – politische Plakate“ begeisterte Resonanz gefunden. Diese Ausstellung steht am Anfang der geplanten Folge von Ausstellungen mit dem Titel Plakatbotschaften. Weitere Themen sind geplant: „AEP Formate: Illustrationen“, „AEP Formate: Offspring“ mit Arbeiten unserer Studenten und Kursteilnehmer.
Die AEP zeigt mit der Ausstellungsreihe AEP Formate die enge Verbindung zwischen Medienwirtschaft, Kunst und Kultur. Die AEP richtet sich mit der Ausstellungsreihe an alle Interessierten aus Werbung, Medien, Kunst und Kultur — für eine stärkere Vernetzung in der Metropolregion Hamburg.
AEP Formate: Plakatbotschaften
23.10.09—18.12.09 Martin Müller
Vernissage der Ausstellung: 22. Oktober, 18 Uhr
Der in Berlin lebende Gestalter, Maler und Kurator Martin Müller studierte Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik in Köln und leitete als Geschäftsführer von 1997 bis 2007 das PAN kunstforum in Emmerich am Rhein. Er betreibt das Kulturnetzwerk „culture.net“ und ist Gastprofessor für zeitgenössische europäische Kunst an der School of Art and Design an der University of Derby (UK). Die Ausstellung zeigt einen Querschnitt des Plakatschaffens von Martin Müller mit Arbeiten von 1996–2009.
Viele der ausgestellten Blätter sind Plakate für kulturelle Anlässe, insbesondere Kunstausstellungen und Konzerte. Kennzeichnend für die Arbeit von Martin Müller ist die Reduktion und die Betonung des Bildes, häufig der Fotografie, in welches sich die Typografie und die sprachliche Botschaft, ebenso bildhaft verstanden, einfügt. Eine Vielzahl von Plakaten wurden für das PAN kunstforum, ein Museum für zeitgenössische Kunst und Plakatkunst in Emmerich am Rhein gestaltet. Müller war nicht nur dessen "Erfinder" und jahrelanger Direktor, sondern zugleich der Designer des PAN, der dem Haus über viele Jahre ein unverwechselbares, grafisches Erscheinungsbild gegeben hat.
Ergänzt werden die Plakate durch digitale Arbeiten aus einem aktuellen Kunstprojekt von Müller mit dem Titel „not from here“, in welchem die Auseinandersetzung mit der Kultur Neuseelands zu einer mehrstufigen künstlerischen Produktion, bis hin zu großformatiger Malerei, führt. Für das kommende Jahr ist ein mehrmonatiger Aufenthalt in Neuseeland vorgesehen, der mit einer Ausstellung des Gesamtprojektes im Centre of Contemporary Art (COCA) in Christchurch abgeschlossen werden soll. Die Werkgruppe der digitalen Arbeiten umfaßt 60 Blätter, von denen eine Auswahl gezeigt wird. Gerade diese Arbeiten verdeutlichen die permanante Grenzgängerschaft des Wissenschaftler, Malers und Designers Müller. Der Übergang vom Plakat zur freien, künstlerischen Grafik ist fließend. „Angewandte“ und „freie“ Kunst sind keine gerne behaupteten Gegensätze, sondern verschmelzen im Werk von Martin Müller zu einer konzeptuellen Einheit.
[Plakate …] | [Bilder der Eröffnung …]
HAP Grieshaber — politische Plakate
03.04.09—15.05.09
HAP Grieshaber (1909–81) wäre im Februar 2009 hundert Jahre alt geworden. Bekannt wurde der Künstler vor allem durch seine großformatigen Holzschnitte. Sozial und politisch engagiert wollte er mit seinen Plakaten eine breite Öffentlichkeit erreichen und schuf ein umfangreiches und vielseitiges Plakatwerk.
Er selbst verstand sich in erster Linie als Drucker und Typograf. Besonders die intensive Auseinandersetzung mit dem Holzschnitt prägte sein über das Handwerkliche oft hinausgehende Schaffen. Stilistisch steht er in der Nachfolge der expressionistischen Künstlergruppe „Die Brücke“, die den Holzschnitt mit seinen scharfen Konturen und der monumentalen Helldunkelwirkung schätzte. Auch in persona stand Grieshaber in der Nachfolge der „Brücke“, als er 1955 den Lehrstuhl des Mitgründers der „Brücke“ Erich Heckel an der Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe übernahm.
In seinen Holzschnitten verwob Grieshaber oft Motive aus der christlichen Religion oder der griechischen Mythologie mit seinen sozialen und politischen Anliegen. Tief in den 60er- und 70er-Jahren verwurzelt, verstand er das soziale und politische Engagement als Bürgerpflicht. Der Holzschnitt hatte Ende des 19. Jh.s eine Renaissance erlebt und war bereits in den 1920er-Jahren ein wichtiges Ausdrucksmittel politisch und sozial engagierter Künstler wie Käthe Kollwitz und Ernst Barlach.
Die Aussage seiner politischen Plakate ist geradlinig, denn er will die Menschen mit einer direkten Botschaft erreichen. Unterstützung für die Griechen unter dem Obristenregime, für die Chilenen unter der Militärjunta, für Amnesty International, für das hungernde Afrika – mit seinen Plakaten wollte Grieshaber aufrütteln und zu Veränderung aufrufen, ganz im Sinne der Bürgerpflicht. Unter seinen politischen Plakaten finden sich auch Wahlplakate für verschiedene Parteien, denn den richtigen Weg kann keine Partei für sich allein beanspruchen.
Wie vielseitig sein Plakatwerk ist, zeigt sich auch in seinem Bestreben, die deutsch-deutsche Kultur zu beleben und zu fördern. So schuf er beispielsweise Plakate, mit denen er Schriftsteller der DDR unterstützte. Auch beteiligte er sich an Ausstellungen westdeutscher Künstler in der DDR. Er berief sich dabei auf die gemeinsame Kultur- und Kunsttradition und übte sich in einer „stillen Kulturdiplomatie“.
Er schuf mit seinen Holzschnitten unzählige Plakate und setzte seine Werke gezielt ein, um einen Beitrag für eine bessere Gesellschaft und eine friedlichere Welt zu leisten. Dem „Kulturkomitee für ausländische Arbeitnehmer“ und der Aktion „Kind und Verkehr“ des deutschen Verkehrssicherheitsrates waren durch seine Plakataktionen ebenso die Aufmerksamkeit sicher wie einem Schriftstellerkongress in Hamburg oder der „Gefangenenhilfe von Tübingen“. Auch der Umweltschutz ist ein wichtiges Thema für ihn: Da geht es einmal um die Wacholderalb als Erholungsraum für die dort lebenden Menschen, ein anderes Mal ist es der Walfang, gegen den er mit Holzschnitten rebelliert.
Ausgestellt wurden mehr als 40 Arbeiten HAP Grieshabers aus drei Jahrzehnten, die seine Vielseitigkeit im Holzschnitt zeigte. Die unterschiedlichen Themen der Arbeiten gaben einen Eindruck von Grieshabers sozialen und politischen Anliegen, ebenso einen Einblick in die Vielschichtigkeit der verwendeten Motive – Mensch und Natur, christliche Religion, griechische Mythologie und verschiedenen Kulturen der Welt.
[Bilder …]
Kuratoren: Johannes Göbel und Martin Müller
Leihgeber: Städtisches Kunstmuseum Spendhaus Reutlingen
Weitere Ausstellungen international bekannter Plakatgestalter sind geplant.
